Weißenborn, längst bekannt als Erzähler, Romancier und Hörspielautor von internationalem Rang, ist offen für existentielle Nöte, die über die Einzelexistent hinausgehen. Er analysiert und rechnet ab, und zwar von Anfang an leidenschaftlich literarisch. Und das Gleichnis des Windes gibt seiner Prosa Bewegung und Beweglichkeit, Tempo, Rapidität.

Karl Krolow, Nürnberger Nachrichten, 09.08.1979


Weißenborn hat mich das Fürchten gelehrt.

Ingmar Bergman, in einer Gesprächsrunde anlässlich der Verleihung des PRIX ITALIA, für den die Jury der ARD-Anstalten Bergmann und Weißenborn gleichzeitig nominiert hatte


Weißenborns Roman („Als wie ein Rauch im Wind“) erinnert an die großen epischen Bewußtseinsströme von James Joyce und Hermann Broch. Eine sprachliche, psychische, gesellschaftskritische, erotische, religiöse Polysemantik von außerordentlicher Dichte konzentriert sich in diesem Bewußtseinsstrom. Der kundige Leser kann Buber und Wittgensteinsche Spuren, sozialpsychologische Anstöße Erich Fromms und Ronald D. Laings entdecken. Aber das Wissen ist eingeschmolzen in die dialogische, in mythische Gründe reichende Rede. - Aufs Ganze gesehen hat Weißenborn einen unerhört bewußten, streng perspektivischen Roman von mythischer Dimension geschrieben. Dieses Requiem für einen Ungeliebten hat in deutscher Sprache nichts Vergleichbares.

Dr. Paul Konrad Kurz, "Über moderne Literatur 6", Frankfurt a. M., 1979


In der Person des Autors trifft künstlerisches Sprachvermögen mit differenziertem und kritisch geschultem psychiatrischen Sachverstand zusammen, jenseits von falschem Pathos, voreiliger Parteinahme und denunziatorischem Urteil.

Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner


Weißenborn ist ein Mann mit Kunstverstand, vielseitig studiert und bewandert. In der Erzählung „Eine befleckte Empfängnis“ gelingt ihm das seltene Beispiel einer Imitatio animae, die dichterische Stimmführung eines Ichs, aus der mehr resultiert als Rollenprosa. Einzigartig, wie hier Wahn und Naivität ineinandergehen. Das Heilserwarten einer armen Kreatur, die in der sexuellen Vereinigung die Kommunion erkennt, und dann der schauerliche Umschlag ins Erschrecken, das Erwachen in Umnachtung. Gespanntere, tiefere Versenkung ist kaum möglich, und nur Bigotterie kann daran Anstoß nehmen. - Es ist Dichtung.

Martin Gregor-Dellin, DIE ZEIT, 26.12.1969 / 02.01.1970


Diese bis in die Nuance von Sinn und Syntax reichende Genauigkeit des poetischen Ohrs - ein in unserer Literatur überaus seltener Fund!

Prof. Dr. Ulrich Sonnemann, in einem Brief vom 06.03.1978 an den Autor


Ich finde die Geschichte („Eine befleckte Empfängnis“) gut, finde Ort, Personen und Handlung genau richtig platziert und sehe im Übrigen einen tiefen religiösen Sinn in dieser Leidensgeschichte einer Magd.

Heinrich Böll, in einem Brief vom 04.07.1966 an den Autor


Weißenborn, ein von strengem Ethos und vom Wissen um radikale Verantwortlichkeit geleiteter Detektiv des Verdrängten, gleicht darin Wolfdietrich Schnurre, dem anderen Grandseigneur jener hohen Kunst, die existentielles Grunderleben, soziales Bewußtsein und Poesie in Literatur von außerordentliche Rang überführt.

Prof. Dr. Günter Helmes, in Günter Helmes, "Worüber ich nicht schweigen kann, davon muss ich sprechen. - Erzählkunst und Existenz bei Theodor Weißenborn", Vorwort zu Theodor Weißenborn, "Fragmente der Liebe / Prosa aus fünf Jahrzehnten", Carl Böschen Verlag, Siegen, 2000


Weißenborns Figuren sind Patienten in der Grundbedeutung des Wortes: Leidende, die an dem Ausgestoßensein aus der Gesellschaft zugrunde gehen. Mit exaktem psychologischem Realismus legt der Autor Schicht um Schicht ihres Charakters, ihres sozialen Milieus, ihres gescheiterten Lebens bloß. Ihre Träume und Ängste, Hoffnung und Verzweiflung offenbaren Grundmuster menschlichen Verhaltens. So gehen diese sprachlich meisterhaft durch Assoziationen ausgelösten Monologe über die Bedeutung klinischer oder soziologischer Studien hinaus; sie gewinnen in der virtuosen Verflechtung poetischer Fiktion und realer Vorgänge prägnante Gleichniskraft für die Hinfälligkeit des Menschen.

Westdeutsche Allgemeine Zeitung


Wie Weißenborn seine Aufgabe (die Pathographie) künstlerisch bewältigt, das macht diese dichterischen Plädoyers zu bedeutender Literatur.

Franz Gary, Nürnberger Nachrichten, 23.10.1986


Wenn Weißenborn Verdrängtes neu belebt, die Idyllen kippen läßt und einen neuen Sprach- und Erzählgestus nutzt, überzeugt er mit einer unheimlichen, grotesken Bilderwelt, in der sprachliche Grenzen und Konventionen überwunden und assoziative, an pathologische Obsessionen erinnernde Traumwelten freigesetzt werden.

Thomas Kraft


Dies ist die „Summa“ der Weißenbornschen Sprachkunst: die Naturlaute des Regens und des Windes werden für den wachträumenden Komponisten Stephen Wanderer zu musikalischer Urmaterie, den Sinnen zur Aisthesis dem formenden Geist zur Deutung aufgegeben. So entstehen seine Opera die „Silent Voices“ und „Les Messages du Vent“ - Assoziationsketten, Bildfolgen werden zu Takten, Klängen, Melodien, in einer Welt, „die sich umfängt wie alles, zu dem sie spricht und dem sie lauscht, damit nicht Stimme und Ohr, sondern Stimmengehör und Ohrenlied ist.“ Musik und Sprache, Sprache und Musik verschmelzen zu untrennbarer Einheit, über viele Seiten hin, in einem Rhythmus, der den lesenden Hörer gefangennimmt wie Ravels „Boléro“.

Dr. Günter Geschke, in "Das Gespräch aus der Ferne", IV. Quartal 2000