Inhalt:Am "Fall der Patientin Textor", der aus der Sicht der klinischen Psychiater "schicksalhaft" ist und keinen "Anlaß zu irgendwelchen wie auch immer gearteten versorgungstechnischen oder therapeutischen Konsequenzen" bietet, wird die Frage aufgeworfen, was von physikalischen und chemischen Zwangsmaßnahmen zu halten ist, durch die der Patient nicht nur nicht geheilt wird, durch die er vielmehr nicht wieder gutzumachende körperliche und psychische Schäden erleidet.
(Pressetext von 1977)

In den 60er und 70er Jahren entstand eine antipsychiatrische Reformbewegung, die sich gegen Zwangsmaßnahmen und Dauerverwahrung von psychisch Kranken wandte, wie sie die traditionelle Psychiatrie damals praktizierte. Stattdessen forderte sie eine humanere Psychiatrie, die zudem gesellschaftliche Einflüsse als wesentlich krankmachend diagnostizierte. In diese Zeit des Umdenkens fällt auch die Entstehung der psychiatrischen Hörspiele von Theodor Weißenborn. In E-Schock & Neuroleptika setzt er den fiktiven Monolog der Patientin Textor kontrapunktisch zu Umweltgeräuschen und authentischen Äußerungen von Patienten und wirft die Frage auf, was von physischen und chemischen Zwangsmaßnahmen zu halten ist, die nicht nur nicht heilen, sondern körperliche und psychische Schäden zufügen. Theodor Weißenborn räumte dem »Elend der Psychiatrie« in seinen literarischen Arbeiten zu einer Zeit einen herausragenden Platz ein, als dieses von der Öffentlichkeit kaum einmal zur Kenntnis genommen oder doch bemüht heruntergespielt wurde.
(Pressetext von 2014 anlässlich der Wiederholung beim hr)
Regie:Günther Sauer
Produktion:Hessischer Rundfunk 1977
Erstausstrahlung:21.07.1977
Dauer:45 Minuten und 10 Sekunden
Mitwirkende:
Sprecher:Rolle/Funktion:
Christiane EislerNachbarin
Uwe KoschelRechtsanwalt
Gertrud KückelmannFrau Textor
Karl-Hans MeuserWohnungsnachbar
Christel PfeilFrau Dr. Görres
Günther SauerReferent
Erwin ScherschelPolizist
Robert SeibertRobert
Heide SimonKrankenschwester

Auszeichnungen:Hörspiel des Monats Juli 1977