Inhalt:Dieses Hörspiel beschreibt keinen Fall - es ist der Fall. Die zum Kontext zusammengefügten Zitate (Tagebuchaufzeichnungen, Briefe, Gerichtsurteile etc.) sind authentisch. Sie sind dokumentarisch belegt. Nur die Namen der beteiligten Personen sowie die tatsächlichen Orte des Geschehens wurden verändert. Das Schicksal des Patienten Wernicke ist nur eines von Tausenden ähnlicher Schicksale. Am Beispiel dieses einzelnen Falles, an den Widersprüchen und Ungereimtheiten der privaten und öffentlichen Interpretationen werden beschämende Mißstände deutlich: die therapeutische Ohnmacht einer am mechanistischen Krankheitsbegriff orientierten Psychiatrie; die Fragwürdigkeit einer Rechtsprechung, die es (befangen in Autoritätshörigkeit) Ärzten gestattet, einem Patienten unkorrigierbare Schäden zuzufügen. Mein Hörspiel soll, indem es mehr Fragen stellt als beantwortet, eine öffentliche Diskussion in Gang halten, die erfahrungsgemäß immer dann einzuschlafen droht, wenn der Gesetzgeber sein soziales Gewissen durch Geldspenden beschwichtigt hat und wenn der Gesellschaft die Verschleierung und Vertuschung der in ihren Institutionen erzeugten Übel wieder einmal erfolgreich gelungen ist.
Regie:Günther Sauer
Technische Realisierung:Peter Jochum und Gerlind Raue
Produktion:Hessischer Rundfunk 1980
Erstausstrahlung:09.03.1981
Dauer:60 Minuten
Mitwirkende:
Sprecher:Rolle/Funktion:
Lieselotte BettinTante
Christian BrücknerPatient
Christiane EislerKrankenschwester
Heinz KraehkampErsatzdienstleistender
Marianne LochertArzt-Ehefrau
Horst Naumann1. Zitator
Else QueckeMutter
Heinrich SauerVater
Peter SchmitzPfleger
Robert Seibert2. Zitator
Hermann TreuschFragesteller