Klappentexte:

Wer ein Warum hat,
erträgt fast jedes Wie.

Viktor E. Frankl

Was hat Literatur mit Gesundheit und Krankheit zu tun?

Heilung durch Lesen? Ist das nicht reichlich großmäulig?

Nicht dann wenn man keine medizinischen Wunder erwartet, - sondern vielleicht in der Erinnerung der Stimme der Mutter, die ihr Kind tröstet - die wohltuende, lindernde Wirkung sprachlicher Zuwendung.

Buch-Umschlagfoto: Tage der Stille – Tage des Glücks

Buchumschlag Vorderseite

Vorwort:

Was hat Literatur mit Gesundheit und Krankheit zu tun? - Immerhin so viel, dass ein junger Zweig der Psychotherapie den Namen Bibliotherapie trägt und dass speziell geschulte Ärzte Bücher als Arzneimittel einsetzen, weil sie sich und ihren Patienten von der Lektüre- bestimmter Texte eine heilende Wirkung versprechen.

Heilung durch Lesen? Ist das nicht reichlich großmäulig? Nicht dann, wenn man keine medizinischen Wunder erwartet, sondern - vielleicht in der Erinnerung an die Stimme der Mutter, die ihr Kind tröstet-die wohltuende, lindernde und lösende Wirkung sprachlicher Zuwendung schlechthin, etwas, was seit Menschengedenken bekannt und so selbstverständlich ist wie die Erfahrung, dass Trinken gut ist gegen Durst.

Wäre Literatur demnach ein Lebensmittel? Genau das ist sie! So gut wie Musik, Tanz, Malerei und alle anderen Künste, die uns beleben und beflügeln können, erheitern (also klären, aufklären, reinigen), entspannen, entkrampfen, begeistern, erschüttern und zu Tränen rühren (Trauer ist Liebe zum Leben und Kernsymptom seelischer Gesundheit!)-sowie, komplementär hierzu, das Wort. das nicht heilen und trösten, sondern verletzen, ja töten will, sich zum Dolch spitzen kann.

In den hier versammelten Texten kehrt Theodor Weißenborn einmal nicht den Satiriker hervor, der in tyrannos ficht, sondern zeigt er Bilder jener Bestandteile von Welt, für deren Bewahrung zu kämpfen sich lohnt: eine bedrohte, aber noch mögliche, eine nicht heile, aber heilbare, rettbare, erhaltens- und liebenswerte Welt, die so gefüllt ist mit Werten wie das Glas, das der eine halb voll und der andre halb leer nennt.

Die Blickrichtung steht uns frei. Niemand werde zum Leben und zur Liebe gezwungen, und nicht alles muss jedem munden. Aber den Bedürftigen, der nicht alles erhält, was er wünscht, erfreut oft schon weniges, und es ist - wie die Chinesen sagen - besser, eine Kerze anzuzünden als über die große Finsternis zu jammern. Sinn wird allererst erkennbar vor dem Hintergrund der Sinnlosigkeit, und Hoffnung erstrahlt am hellsten auf dem Grund der Verzweiflung. Dazu trägt Literatur bei, indem sie ihr Wesen erfüllt: sie deutet die Welt und erschließt ihren Sinn - auch da, wo sie Unsinn und Widersinn bloßstellt. Und Sinn ist Brot für die Seele.

Inhalt:

Vorwort

  • Über den Wellen
  • Der Kaiser hat einen Vogel
  • Battenberg läßt sich herab
  • Wider den sogenannten Sachzwang
  • Zwischen Leben und Tod
  • Einatmen, Ausatmen, Kommen und Gehn
  • Die Züge nach Morrow
  • Ich bin siebzig - und fühle mich alt
  • Das Nachtgespenst
  • Zigarren für den Feldhüter
  • Schwere Süße des Abends
  • Die Sache mit Dad
  • Siesta mit Hund
  • Das verborgene Selbst
  • Der Tod König Autharis
  • Der Müller, die Müllerin, ich und der Kater
  • Tagesausflug mit Maxim
  • Eine Stimme spricht - und ich lausche
  • Bedenkliches aus der Schatulle

Gebundene Ausgabe:256 Seiten
Verlag:Mut-Verlag Bernhard C. Wintzek
Auflage:1. Juni 1997
Sprache:Deutsch
ISBN-10:3891820682
ISBN-13:978-3891820681