Hoffnung - ein taugliches Mittel gegen die Apokalypse?

"Die Erde wird' unbewohnbar wie der Mond" lautet der Titel eines Buches von Gerhard Zwerenz, und in der Tat, die Welt ist voller Gefahren, von denen manche so groß sind, dass sie den Fortbestand nicht nur der Menschheit, sondern nahezu aller irdischen Lebewesen bedrohen. Die Klimakatastrophe wirft ihre Schatten bereits beängstigend voraus, die Super-Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima haben gezeigt, dass die Sicherheit der Atomkraftwerke entgegen den Beteuerungen ihrer Betreiber in keiner Weise gewährleistet ist, der nächste Super-GAU ist mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten, und wenn wir nach Nordkorea und in die USA blicken und Kim Jong Uns und Trumps Drohungen ernst nehmen, scheint sogar die Möglichkeit eines neuerlichen Krieges mit atomaren Waffen zu bestehen. Dabei ist das, was zurzeit in Syrien, im Irak und in anderen Ländern geschieht, gerade schlimm genug. Hungerkatastrophen in aller Welt haben ein Ausmaß erreicht wie nie zuvor, und ein amerikanischer Milliardär sagte wörtlich: "Es gibt einen einzigen großen Krieg in der Welt: das ist der Krieg der Reichen gegen die Armen, und diesen Krieg werden die Reichen gewinnen, wenn sie ihn nicht schon gewonnen haben."

Man will herausgefunden haben, dass es in der Welt genau 62 Personen gibt, die in Politik und Wirtschaft an den Schaltstellen der Macht sitzen und durch ihre Entscheidungen das Geschick nicht nur einzelner Völker, sondern der ganzen Menschheit bestimmen, und zwar zu ihrem eigenen Vorteil und zum Schaden all jener, die nicht zu ihren Verbündeten zählen - 62 Personen, die über atombombensichere Bunker verfügen und in ihrer Gier nach Kapital und Macht das Schicksal der gesamten Menschheit bedenkenlos aufs Spiel setzen.

Diese 62 Personen herauszuschießen, verspricht kaum Erfolg, da sie, weit schlimmer als Mafiabosse, ganze bewaffnete Armeen hinter sich haben, mit führenden Wirtschaftsbossen und Staatsregenten paktieren und selbst in formal demokratisch regierten Ländern das Sagen haben.

Nimmt also das Verhängnis ungehindert seinen Lauf? Sind also die guten Geister, zu denen wir uns selbst ja wohl zählen, völlig machtlos? Und können wir dem Untergang, dem wir so oder so geweiht sind, nur tatenlos zusehen? - Das Schreckensszenario hat, wenn nicht die Überzeugungskraft eines verifizierten realen Sachverhalts, so doch die Überzeugungskraft höchster Wahrscheinlichkeit, die kaum Zweifel erlaubt.

Auf die Frage, ob sie noch Hoffnung hege, dass die Dinge sich zum Besseren wenden lassen, hat Gesine Schwan unlängst in einem Interview gesagt: "Ob jemand Hoffnung hat, ist nicht in der Realität begründet, sondern im Charakter der Person." Das ist zwar psychologisch richtig, geht aber an der Tatsache vorbei, dass die faktischen Geschehnisse sich nicht nach unseren Wünschen und Befürchtungen richten, so wie das, was nicht ist, sich nicht herbeiglauben und das, was ist, sich nicht hinwegzweifeln lässt. (Matthias Claudius, in seiner Schrift "Brief an meinen Sohn Johannes", sagt dazu: "Die Wahrheit richtet sich nicht nach uns, lieber Sohn - wir müssen uns nach ihr richten.")

Was bedeutet dies nun im Hinblick auf die im Titel dieses Aufsatzes gestellte Frage, ob Hoffnung ein taugliches Mittel gegen den Weltuntergang sei? - Die Antwort kann nur lauten: Hoffnung, die nur im Charakter der Person, nicht aber in der Realität begründet ist, ist Illusion, also Täuschung, und Täuschung führt bekanntlich in die Irre.

Was also tun?

Ich selbst - auf die Frage, warum ich nicht längst resigniert habe und meine (wie ich hoffe, aufklärende) publizistische Arbeit weiterhin fortsetze - antworte mit bescheidenem Optimismus: "Ich bin nicht der Riese Atlas, ich muss den Globus nicht stemmen. Ich maße mir nicht an, die Welt zu retten, das kapitalistische Weltwirtschaftssystem aus den Angeln zu heben oder gar die Menschheit vor der Apokalypse zu bewahren. Eine solche Aufgabe wäre wohl für mich (und andere, die tüchtiger sind als ich) eine Nummer zu groß. Aber darum geht es ja hier und jetzt auch gar nicht! Im Augenblick gilt es, möglichst viele an Europas Grenzen gelangende Flüchtlinge aufzunehmen, Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, Green Peace, Amnesty International und Organisationen wie das Hilfswerk der Vereinten Nationen zu unterstützen und vor allem den mit der Flüchtlingshilfe überforderten Griechen beizustehen. Dies alles ist durchaus machbar, sofern es dazu nicht am politischen Willen fehlt. Es wird zwar die auf die eine oder andere Weise kommende Apokalypse nicht verhindern, aber Menschen in Not zum Überleben verhelfen und die Voraussetzungen dafür schaffen, im Rahmen des Möglichen illusionsfreie und tatkräftige humanitäre Hilfe zu leisten, um zu retten, was zu retten ist.

Und das ist nicht nichts, sondern wenigstens etwas, und darum sage ich - bewusst im Gegensatz zu jenen, die angesichts der großen Finsternis auch die kleinste Kerze noch ausblasen wollen -: "Viva la vida!"

Und wenn es auch nur das Leben eines einzigen Menschen wäre!