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Buch-Umschlagfoto: Geistlicher Nachlaß

Buchumschlag Vorderseite

"Chamäleon der Literatur" dieses Wort, mit dem Wolfgang Weyrauch den Erzähler Theodor Weißenborn charakterisierte, es trifft zu auch auf den Lyriker; denn das Spektrum lyrischer Ausdrucksweisen, die Weißenborn in den vergangenen zwei Jahrzehnten genutzt hat, reicht von locker gefügten, atmosphärisch dichten, nahezu schwerelosen naturlyrischen Gedichten über freirhythmische expressive Elegien und Epigramme on ätzendem Sarkasmus bis hin zu Texten konkreter Lyrik, so dass die hier vorliegende Gedichtsammlung den Leser sehr rasch aus vorschnellem, versöhnlichem Einverständnis herausreißt, so wie er Autor sich selbst immer wieder in Frage stellt und Unruhe stiftet angesichts einer unheilen Welt und einer Realität, die sich uns spätestens seit Beginn der Neuzeit nicht mehr als Ganzheit darstellt, sondern unserer Erfahrung nur immer unter wechselnden Aspekten erschließt. Was auf den ersten und flüchtigen Blick als modisch-unverbindlich und beliebig machbar erscheinen könnte, erweist sich somit als gestalterische Methode wechselnder Erfahrung, als Offenheit gegenüber dem Seienden, als Mimesis, die die Formalstruktur der ästhetischen Gestalt allererst entwickelt aus der Seinsstruktur der Gegenstände und entsprechend den sich wandelnden Weisen ihrer Wahrnehmung. Was bleibt dem Autor, ihm selber als einem werdenden, nicht ruhenden Teil des Seienden, in der Spanne Zeit, die ihm gegeben ist, anderes zu tun als dies: Sein, erfahrenes Dasein und damit sich selbst zu verwandeln in Sprache, selber Sprache zu werden und somit geistig zu überdauern im vergänglichen Gewand. In poetischer Gestalt, in Sprache als einem Stück objektivierten Geistes, "in der Grammatik" , wie es im Titelgedicht dieser Sammlung heißt, wird hier Welt unsere Welt und die des Autors erinnert und aufgehoben, aufgehoben in des Wortes dreifacher Bedeutung: bewahrt, gesteigert und überwunden. So nehmen diese Gedichte den Leser mit hinein in einen dialektischen Prozess von Bejahung und Verneinung, der unser Dasein wie alles Sein durchzieht und als historisches Prinzip im Augenblick des Todes das werdende und fortdauernde Leben begründet.

Inhalt:

I

  • Das verlassene Dorf
  • Morgen
  • Insel im Strom
  • Verwandlungen des Traumes
  • Kaiserswerth
  • Der tote Kapitän
  • Die Alten

II

  • Chanson
  • Hommage à Paul Verlaine

III

  • Schattenfluß
  • Fallend im Schacht der Zeit
  • Zeilen
  • Homo

IV

  • Der introvertierte Igel
  • Deutscher Humor
  • Lapidar
  • Demagogie
  • Aus einem deutschen Lesebuch
  • Wahl versprechen
  • Bei differenzierender Betrachtung
  • Falsche Anschrift
  • Rührende Reime
  • Paradox
  • Privates
  • Rösselsprung
  • Aus dem Leben der Pfarrgemeinden
  • Stadtplanung
  • Hirtenwort
  • Kirchengeschichte
  • Pathologischer Befund
  • Blasphemie
  • Fortschritt
  • Berliner Luft
  • Sehstörung
  • Fehlleistung
  • Aus der Welt des Wissens
  • Gerechtigkeit
  • Beiläufig
  • Dialektik
  • Geistlicher Nachlass

V

  • Polyglott
  • Sinnspruch
  • Militärseelsorge
  • Affektiv
  • Feierlicher Appell
  • Schweigen

Gebundene Ausgabe:63 Seiten
Verlag:Gilles & Francke Verlag
Auflage:1977
Sprache:Deutsch
ISBN-10:3921104270
ISBN-13:978-3921104279